Lorenz denkt öffentlich https://schirmer.net Alles was mich so bewegt. Politik, Klima, Energiewende, Zukunft, Perspektive, Liebe und Mitgefühl, Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaat, IT, IoT, Stuff Sun, 07 Sep 2025 10:53:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://schirmer.net/wp-content/uploads/2025/08/cropped-icon-32x32.png Lorenz denkt öffentlich https://schirmer.net 32 32 Windkraft – ein wirtschaftlicher Wind in Selbstverwaltung https://schirmer.net/politik-gesellschaft/windkraft-ein-wirtschaftlicher-wind-in-selbstverwaltung/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/windkraft-ein-wirtschaftlicher-wind-in-selbstverwaltung/#respond Sun, 07 Sep 2025 10:52:20 +0000 https://schirmer.net/?p=83
Windkraft – ein wirtschaftlicher Wind in Selbstverwaltung

Die Machbarkeitsstudie zur ökologischen und technischen Umsetzbarkeit von Windkraft in Wettenberg bietet den idealen Auftakt, um Bürger*innen und Gewerbetreibende transparent einzubinden. Windkraft birgt nicht nur ökologisch großen Nutzen – klimapositiv und nachhaltig –, sondern kann auch erhebliche Einnahmen für die Gemeinde generieren.


Kommunale Haushaltsentlastung am Beispiel Simmerath (Eifel)

Durch Windkraft erzielte Einnahmen ermöglichten Simmerath den Bau eines familienfreundlichen Schwimmbads mit zwei Becken sowie moderner Sport- und Betreuungsinfrastruktur – ohne Grundsteuererhöhungen für Familien„Hätten wir diese Einnahmen nicht, müssten wir die Grundsteuer für eine vierköpfige Familie … um rund 500 Euro pro Jahr erhöhen“ – so Bürgermeister Bernd Goffart 

Das Ergebnis: statt Einwohnerverlust erzielte die Gemeinde ein Bevölkerungswachstum von 10 % – Windkraft als sichtbarer Zukunftsimpuls.


Bostelwiebeck in der Lüneburger Heide

Vier Windenergieanlagen bringen den angrenzenden Gemeinden jährlich rund 100.000 € an freiwilligen Zahlungen ein, die gezielt in lokal sichtbare Projekte – etwa ein neues Gemeindezentrum – investiert werden  

Zudem regelt § 6 EEG seit 2021 eine Beteiligung von 0,2 Cent pro eingespeiste kWh – je Anlage also zusätzliche Einnahmen von 20.000–35.000 € jährlich. Gemeinden können darüber frei entscheiden .


Größere Dimension: Qualitas Energy

Der Betreiber Qualitas Energy zahlte 2023 mehr als 1 Mio. € freiwillige kommunale Abgaben, mit Ausbaupotenzial bis zu 5 Mio. € jährlich  . Solche Beiträge sind strukturelle Zukunftsvorsorge für Gemeinden.


Langfristige Perspektiven: Rhein-Hunsrück-Kreis

Seit dem Einstieg in erneuerbare Energien 1999 deckt der Rhein-Hunsrück-Kreis mittlerweile fast 60 % seines Strombedarfs über regenerative Anlagen und erwirtschaftet daraus 14,6 Mio. € kommunale Wertschöpfung pro Jahr.


Vorzeigeprojekt Wildpoldsried (Allgäu)

Die Gemeinde produziert rund 321 % mehr Energie als sie verbraucht und erzielte damit bereits 2011 etwa 4 Mio. € Umsatz jährlich. Zahlreiche kommunale Gebäude folgten – darunter Schul- und Sportstätten – und das mit 65 % weniger CO₂-Emissionen


Fazit – Windkraft als Schlüssel zur Zukunft

1. Ökonomische Hebelwirkung: Windkraft generiert Einnahmen über Pacht, Gewerbesteuer oder freiwillige Abgaben – die Grundlage für kommunale Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Sport und Kultur.

2. Steuerminderung & Haushaltsspielraum: Ersparnisse für Bürger*innen (siehe Simmerath), Schuldenabbau und bessere Lebensqualität.

3. Bürgernähe & Transparenz: Beteiligungsformen wie Bürgerwindparks, Energiegenossenschaften, Nachrangdarlehen oder Regionaldialoge schaffen Akzeptanz, Identifikation und Zusammenhalt  https://www.caeli-wind.de/ratgeber/detailseite/windenergie-in-kommunen-wie-staedte-und-gemeinden-die-energiewende-zum-heimspiel-machen-koennen
https://www.statkraft.de/explained-by-statkraft/wind-oder-solarparks-beteiligung/

4. Zukunftssicherheit: Beispiele wie Bostelwiebeck, Rhein-Hunsrück oder Wildpoldsried zeigen, wie Windkraft zu nachhaltigem Wohlstand, Energiewende und modernem Gemeindeleben beiträgt.


Chancen für Wettenberg

Gerade für Wettenberg eröffnen sich durch die Windkraft erhebliche Möglichkeiten: stabile Einnahmen aus Pacht, Gewerbesteuern und EEG-Beteiligungen könnten den Haushalt nachhaltig stärken und dringend benötigte Investitionen in Schulen, Sportstätten, Digitalisierung und Klimaanpassung ermöglichen. Gleichzeitig ließe sich die lokale Wirtschaft fördern – etwa durch Aufträge für regionale Handwerksbetriebe, Dienstleister und Zulieferer. Auch das örtliche Gewerbe profitiert von langfristig planbaren, günstigeren Energiekosten und einer besseren Versorgungssicherheit. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: weniger Steuerdruck, sichtbare Verbesserungen im Alltag und die Gewissheit, dass die Gemeinde aktiv ihre Zukunft gestaltet – ökologisch wie ökonomisch.

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Deutschland soll Klimaziele sichern – nicht ausbremsen: Offener Brief des DNR https://schirmer.net/uncategorized/deutschland-soll-klimaziele-sichern-nicht-ausbremsen-offener-brief-des-dnr/ https://schirmer.net/uncategorized/deutschland-soll-klimaziele-sichern-nicht-ausbremsen-offener-brief-des-dnr/#respond Sun, 07 Sep 2025 10:38:04 +0000 https://schirmer.net/?p=79 Berlin, 4. September 2025 – In einem eindringlichen offenen Brief appelliert der Deutsche Naturschutzring (DNR) an Bundeskanzler Friedrich Merz, sich entschieden gegen eine mögliche Verzögerung des EU-Klimaziels für 2040 zu stellen. Hintergrund: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird vorgeworfen, eine Entscheidung im zuständigen EU-Umweltrat zugunsten der Debatte im Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs zu verschieben – eine Strategie, die als taktisch gefährlich und blockierend betrachtet wird

1. Deutschlands Verantwortung: Handeln statt Zögern

Der DNR reib sich deutliche Worte: Eine Verschiebung des Beschlusses zum 2040-Ziel würde Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit der EU schwächen – und zwar just im Gedenkjahr des Pariser Klimaabkommens. Deutschland müsse als wirtschaftlicher Motor Europas eine führende Rolle einnehmen – nicht unnötig blockieren.

2. Warum gerade der 18. September entscheidend ist

Der Brief fordert explizit die politische Entscheidung für ein Klimaziel von mindestens –90 % bis 2040 im EU-Umweltrat am 18. September – inklusive fristgerechter Einreichung des daraus abzuleitenden Nationally Determined Contribution (NDC) bei den UN. 

Ohne diesen Beschluss droht ein schwacher, unmöglicher EU-Beitrag zur globalen Klimapolitik – ein Imageschaden ohnegleichen, gerade vor der anstehenden Klimakonferenz in Brasilien. 

3. Klimapolitik, Glaubwürdigkeit und industrielle Transformation – alles gehört zusammen

Bereits andere Stellungnahmen und Positionspapiere untermauern diesen Appell:

  • Der Europäische Wissenschaftliche Beirat zum Klimawandel (ESABCC) empfiehlt deutlich eine Emissionsreduktion von 90 bis 95 % bis 2040. Eine entsprechende gesetzliche Verankerung schafft dringend benötigte Planungs- und Investitionssicherheit – z. B. für Schlüsselinitiativen wie den „Clean Industrial Deal“ oder die Transformation zu grüner Wertschöpfung. 
  • Die EU-Kommission hat bereits einen Vorschlag zur Emissionsminderung von 90 % vorgelegt, doch Umweltverbände kritisieren, dass dies zu wenig ambitioniert und zu sehr auf Carbon Capture & Storage (CCS) setzt – eine riskante Ausrichtung. 
  • Ebenso wird eine Verlagerung von Emissionsreduktionen ins Ausland oder auf technische Kohlenstoffsenken scharf kritisiert: Effektiver Klimaschutz funktioniert nur, wenn er innerhalb Europas stattfindet

4. Europa braucht strategische Führungsstärke

Nicht um moralische Geste, sondern um industrie- und sicherheitspolitischen Nutzen für Europa geht es DNR wie Kolleginnen und Kollegen: Ein ambitioniertes 2040-Ziel stärkt:

  • Resilienz gegenüber geopolitischen Unsicherheiten
  • Investitionssicherheit
  • Strukturwandel und Innovationskraft – von grünem Stahl über Wasserstoff bis hin zur erneuerbaren Verkehrs- und Energieinfrastruktur .

Fazit – für eine glaubwürdige, strategische Klimapolitik

Deutschland steht im offenen Brief im Fokus: als Gestalter — nicht als Bremsklotz. Ein entschiedener Beschluss für ein verbindliches EU-Klimaziel von mindestens –90 % bis 2040, mit dem fristgerechten NDC, ist essenziell. Die Einladung zur weitreichenden, deutsch-französischen Zusammenarbeit bleibt ein offenes Angebot, das zugleich klimapolitische Verantwortung und industrielle Zukunft verknüpft.

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Rückwärtsgewandte Auto-Strategie: Söders 10-Punkte-Plan ist ein Schlag ins Kontinuum der Zukunft https://schirmer.net/politik-gesellschaft/rueckwaertsgewandte-auto-strategie-soeders-10-punkte-plan-ist-ein-schlag-ins-kontinuum-der-zukunft/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/rueckwaertsgewandte-auto-strategie-soeders-10-punkte-plan-ist-ein-schlag-ins-kontinuum-der-zukunft/#respond Sun, 07 Sep 2025 10:32:32 +0000 https://schirmer.net/?p=75 Vorwärts in die Vergangenheit?

Markus Söder, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, präsentiert kurz vor dem Start der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) seinen 10-Punkte-Plan „Ja zum Auto, Ja zum Autoland Deutschland“ – und zeigt damit: Der Blick der Union verläuft rückwärts und trägt das Risiko, Deutschlands Automobilindustrie ins Aus zu katapultieren  .

Die zentralen Forderungen – ein Katalog der Illusionen

  • Kippen des EU-Verbrenner-Verbots ab 2035 – im Kern ein nostalgisches Bekenntnis zum fossilen Zeitalter. Hier werden E-Fuels und neuer technischer Realismus als Heilsversprechen ausgegeben  .
  • CO₂-Ziele runterfahren, Ladeinfrastruktur fördern, Zulieferindustrie stützen, Führerschein günstiger machen – alles Maßnahmen, die oberflächlich pragmatisch wirken, jedoch die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Mobilitätsstandort ignorieren  .

Zukunft oder Status quo? Der fatale Rückfall in alte Zeiten

Dieser Plan lässt jegliche Vision vermissen. Während andere Länder konsequent auf Elektromobilität und emissionsfreie Antriebe setzen, hält die Union verzweifelt am Verbrenner fest – aus Angst um kurzfristige Wählergruppen, nicht aus strategischem Weitblick.

Dabei tun deutsche Autohersteller sich längst schwer: Hohe Produktionskosten, fehlende Innovationsdynamik bei E-Mobilität, schrumpfende Absätze in Schlüsselmärkten wie China – €564 Mrd Jahresumsatz sind nur ein Rückgriff auf Glanz vergangener Tage  .

Technologischer Stillstand statt Transformation

Experten warnen seit Monaten: Der Weg aus der Krise kann nur über ein klares Bekenntnis zur Batterie-Elektromobilität, nachhaltige Rahmenbedingungen für Hersteller sowie gezielte Kaufanreize führen  . Söder dagegen zimmert lieber an Verboten und Anachronismen – das ist nicht zukunftsorientiert, sondern technologischer Stillstand.

Wirtschaftliche und politische Unvernunft

Dieser Plan gefährdet den Standort Deutschland:

  • Bringt keinerlei Stabilität, sondern schafft Unsicherheit für Investoren.
  • Ignoriert die globale Konkurrenz, vor allem aus Asien, die bei E-Autos längst die Führung übernommen haben  .
  • Spielt mit den Arbeitsplätzen von heute, um eine statische, vergangenheitsorientierte Mobilitätsillusion aufrechtzuerhalten.

Ist die Union noch politisch und wirtschaftlich kompetent, wenn sie in einer Schlüsselindustrie die Zukunft ausklammert?


Fazit: Ein Plan ohne Weitsicht – ein Rückschritt im Super-Gau

Markus Söder und die Union liefern mit ihrem 10-Punkte-Plan keine zukunftsgewandte Industriepolitik, sondern ein ideologisches Festhalten an veralteten Technologien. Die Vision der deutschen Automobilindustrie – wegweisend im Zeitalter elektrischer und softwaredefinierter Mobilität – wird damit radikal unterhöhlt.

Wer weiterhin mit E-Fuels und Techniknostalgie liebäugelt, stellt nicht Arbeitsplätze sicher, sondern bringt sie in Gefahr. Die wirkliche Krise wäre nicht das Verbrenner-Verbot – sondern wenn Deutschland beim technologischen Wandel abgehängt wird.

  1. ZDFheute – Söders 10-Punkte-Plan zur Unterstützung der Autohersteller👉 https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/soeder-10-punkte-plan-unterstuetzung-autohersteller-100.html
  2. New-Facts.eu – Söder legt 10-Punkte-Plan vor👉 https://www.new-facts.eu/sortierung-top/deutschlandwelt-block/2025/09/07/soeder-legt-10-punkte-plan-zur-unterstuetzung-der-autohersteller-vor/692755/
  3. Mobiflip.de – CSU mit 10-Punkte-Plan fürs Auto👉 https://www.mobiflip.de/shortnews/e-autos-verbrenner-und-mehr-csu-mit-10-punkte-plan-fuers-auto/
  4. ZDFheute – Autoindustrie Deutschland: Zahlen & Fakten👉 https://www.zdfheute.de/wirtschaft/autoindustrie-deutschland-zahlen-fakten-100.html
  5. ZDFheute – Autoindustrie in der Krise👉 https://www.zdfheute.de/wirtschaft/autoindustrie-deutschland-krise-100.html
  6. VDA – Pressemitteilung zum 10-Punkte-Plan👉 https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/2024/240920_PM_10-Punkte-Plan
  7. ZDFheute – Autoindustrie: Krise und Aussichten👉 https://www.zdfheute.de/wirtschaft/autoindustrie-deutschland-krise-aussichten-100.html
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Wissenschaft in Kurzarbeit? – Ein bitterer Gedanke über den Stellenwert von Forschung https://schirmer.net/politik-gesellschaft/70/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/70/#respond Thu, 28 Aug 2025 08:01:12 +0000 https://schirmer.net/?p=70

Der Gedanke ist provokant: Sollten wir die Wissenschaft einfach bis 2029 in Kurzarbeit schicken?

Karsten Königsfeld stellte diese Frage in einem Facebook-Beitrag – und traf damit einen Nerv.

Sein Argument: Wenn die Politik Wissenschaft ohnehin ignoriert, egal ob es um Fleischkonsum, Klimapolitik, Sozialstaat oder Asylpolitik geht, dann könnte man die Kosten gleich sparen. Immerhin rund 40 % weniger Ausgaben. Der Zynismus ist bewusst gewählt, denn die Botschaft ist klar: Wissenschaft hat in unserer Gesellschaft derzeit nicht den Stellenwert, den sie bräuchte.

Meinung statt Erkenntnis

Wir erleben, dass „eine Meinung zu haben“ oft mehr Gewicht hat als wissenschaftliche Erkenntnis. Politische Entscheidungen orientieren sich zunehmend an Klientelinteressen, nicht an Forschungsergebnissen. Die Gefahr: Wir verlernen, Probleme an der Wurzel zu verstehen – und stattdessen bleiben wir im Nebel von Meinungen und kurzfristigen Stimmungen.

Königsfeld schreibt: „Die Pause ist nötig, damit Menschen erkennen, dass eine Meinung zu haben keine Probleme löst.“

Ein bitterer, aber nicht abwegiger Gedanke.

Katastrophen als Weckruf?

Die Vision klingt düster: Erst wenn Katastrophen wie eine neu aufflammende Pockenepidemie oder eskalierende Klimafolgen unerträglich werden, besinnen wir uns wieder auf die Bedeutung der Wissenschaft. Erst dann, wenn Leid und Zerstörung sichtbar sind, scheint die Bereitschaft zu wachsen, auf Erkenntnisse zu hören und sie umzusetzen.

Wissenschaft als Grundlage von Demokratie

Dabei ist Wissenschaft mehr als eine Fachdisziplin. Sie ist eine Haltung: prüfen, verstehen, erklären, Lösungen entwickeln. Ohne sie verliert Demokratie ihren Kompass.

Denn wo Fakten relativiert oder ignoriert werden, entsteht ein gefährlicher Raum, in dem Populismus und kurzfristige Interessen dominieren.

Links und Quellen

Fazit

Der Gedanke, Wissenschaft „einzufrieren“, ist natürlich nicht ernst gemeint. Aber er zeigt, wie ernst die Lage ist. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, die Erkenntnisse ignoriert und lieber Meinungen feiert – oder ob wir den Mut haben, Politik wieder faktenbasiert und zukunftsorientiert zu gestalten.

Denn: Eine Meinung allein löst keine Probleme. Wissenschaft kann es.

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#technologieentschlossenheit https://schirmer.net/iot/technologieentschlossenheit/ https://schirmer.net/iot/technologieentschlossenheit/#respond Wed, 27 Aug 2025 05:37:50 +0000 https://schirmer.net/?p=44 Bewährte, reife Technologien – der „Werkzeugkasten“ ist voll

  • Solar (Photovoltaik), Windkraft, Wasserkraft, Geothermie: Sie liefern Strom mit unter 5 % der CO₂‑Emissionen von Kohle – laut IPCC  .
  • Speicherlösungen: Lithium‑Ionen‑Batterien sind etabliert; daneben steht eine ganze Palette an Großspeichern bereit – klassische Pumpspeicher, Wärme‑ bzw. Carnot‑Batterien  , Power‑to‑Gas-Systeme mit Riesenspeicherpotenzial im deutschen Gasnetz (> 200 000 GWh)  .
  • Smart Grids, Digitalisierung & KI helfen, Angebot und Nachfrage effizient zu steuern – z. B. über Prosumernetze, Blockchain, AI‑basierte Netzoptimierung  .
  • Wasserstoff & Sektorkopplung: Elektrolyseanlagen (Alkaline, PEM, SOEC) existieren in kommerziellem oder hohem Technologie-Reifegrad  .
  • Kohlenstoffbindung (CCS), BECCS, insbesondere bei Biomasse: erprobte Technologien mit verschiedenen Methoden wie oxy‑fuel oder post‑combustion CO₂‑Abscheidung  .

Forschung & Innovation – „Zukunftstechnologien“, aber nicht Voraussetzung

Nein, wir brauchen keine reine Technologierevolution – wir brauchen Einsatz:

  • Es existieren emerging Technologien wie Dünnschicht‑PV (Perowskite, CIGS), Meeresenergie (Gezeiten, Wellen), Sandbatterien oder künstliche Fotosynthese – vielversprechend, aber nicht zwingend, um jetzt voranzukommen  .
  • Der Fokus sollte auf schneller Skalierung vorhandener Lösungen liegen – laut BloombergNEF reichen reif entwickelte Technologien, um dem Pariser Ziel näher zu kommen. Ein rascher Ausbau kann globale Emissionen bis 2050 deutlich reduzieren  .

Argument “Technologie-Offenheit”: Ein Ablenkungsmanöver?

Technologie‑Offenheit wird oft als Tugend verkauft – aber allzu oft ist es ein Vorwand dafür, sich an alte Strukturen zu klammern:

  • Mancher wartet auf „die nächste große Technologie“, während bestehende, kostenseitige Technologien wirtschaftlich konkurrenzfähig sind und Profit bieten  .
  • Wind- und Solarstrom, Batteriespeicher und effiziente Netzinfrastruktur sind heute günstig – „sauberer Strom verkauft sich“, siehe Jobwachstum und De-facto‑Markterfolge  .
  • Andere, insbesondere in Politik oder Industrie, nutzen Technologie‑Offenheit, um sich nicht zwischen klarem Handlungsdruck zu entscheiden. Das verschiebt Fortschritt und lässt Potenzial ungenutzt.

Beispiele für den entschlossenen Einsatz heute

  • Optimale Kombination: Solar + Wind + flexible Speicher + Smart Grids + Wasserstoff als saisonale Ergänzung. Alles verfügbar, alles einsatzfähig.
  • Power‑to‑Gas nutzt bestehende Gasnetz‑Infrastruktur – kosteneffizienter als rein elektrische Langzeitspeicherung  .
  • Carnot‑Batterien: große Energiespeicher in Wärmesystemen, keine seltenen Rohstoffe nötig, teils nutzbar in alten Kraftwerkeinrichtungen  .
  • Smart Grids + Digitaltechnik sorgen für Effizienz und Stabilität – bereits kommerziell nutzbar  .

Fazit: Genug Technologie – jetzt zählt Entschlossenheit

  1. Verfügbar: Alle nötigen Technologien existieren heute – von Solar bis Speicher, von Smart Grids bis Wasserstoff.
  2. Einsatzfähigkeit: Sie sind reif, erprobt, ökonomisch sinnvoll.
  3. Blockade durch Offenheit? Technologie‑Offenheit darf nicht zur Exkulpation werden – wer wartet, verliert Zeit und Chancen.
  4. Nur entschlossene Umsetzung zählt: Politische Entscheidungen, Investitionen, gesellschaftlicher Rückhalt, klare Zeitpläne – das ist der Schlüssel zur Wende.

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Markus Söder – Die wandelnde Witzfigur der deutschen Politik https://schirmer.net/politik-gesellschaft/markus-soeder-die-wandelnde-witzfigur-der-deutschen-politik/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/markus-soeder-die-wandelnde-witzfigur-der-deutschen-politik/#respond Tue, 26 Aug 2025 12:34:14 +0000 https://schirmer.net/?p=40 Vom Baum-Umarmer zur Bratwurst-Ikone

Markus Söder ist der lebende Beweis dafür, dass Politik auch als Comedy-Format funktioniert – nur leider ohne Pointe. Erinnern wir uns: Da stand er plötzlich im Wald, umarmte Bäume und verkündete seine neue Liebe zum Klimaschutz. Kaum war die Kamera aus, machte er weiter wie immer: Autobahnen statt Artenvielfalt, Kohle statt Konsequenz. Der Baum hatte wohl mehr Substanz als sein Bekenntnis.

Rücktrittsdrohung, die keiner ernst nimmt

Legendär auch: Söders großspurige Ankündigung, er trete zurück, falls die Atomkraftwerke nicht abgeschaltet würden. Heute? Kein Mensch redet mehr davon. Er selbst schon gar nicht. Seine „Drohungen“ sind so verlässlich wie seine Überzeugungen – nämlich gar nicht. Söders Versprechen halten ungefähr so lange wie eine Weißwurst warm bleibt.

Das Fähnchen im Wind

Söders politische Linie? Dreht sich schneller als jedes Windrad, das er sonst so gerne verteufelt. Mal der harte Law-and-Order-Mann, dann wieder der Klimaretter mit Bäumchen im Arm, kurz darauf der große Kanzlerkandidat in Wartestellung, am Ende doch nur der Bratwurst-Kasperl aus Franken. Er verkörpert die politische Beliebigkeit in Reinkultur – Hauptsache Schlagzeile, Hauptsache Selfie, Hauptsache Söder

Eine Nullnummer mit großem Ego

Schaut man hinter die Inszenierungen, bleibt nichts. Keine Vision, keine Konsistenz, keine ernsthafte Idee für Bayern oder Deutschland. Söder ist die politische Nullnummer, die glaubt, Lautstärke sei ein Ersatz für Substanz. In Wahrheit ist er nicht mehr als ein blendender Selbstdarsteller, der mit flotten Sprüchen und künstlichem Dauergrinsen den Wähler für dumm verkauft.

Zeit, das Trauerspiel zu beenden

Deutschland hat keine Lust mehr auf Söders Egonummern. Er spaltet, er pöbelt, er laviert – aber er gestaltet nichts. Es ist höchste Zeit, dass er endlich das tut, was er so oft großspurig angekündigt hat: zurücktreten.

Quellen:

„Nachdem Fukushima: Rücktrittsdrohung, wenn Atomkraft nicht bis 2022 abgeschaltet“ Söder kündigte nach Fukushima einen Rücktritt an, falls die Koalition nicht den Atomausstieg bis 2022 durchsetzen würde – eine Ansage, die später kaum noch Thema war.Quelle: Merkur/​Merkur.de

„Bäume-Umarmer“ – Photoshooting statt Substanz – 2019 umarmte Söder öffentlich Bäume, um seinen Klimaschutz beliebig zu symbolisieren – doch Kritiker warfen ihm vor, dass das nur ein Foto-Stunt war ohne tiefergehenden Impact auf Umweltpolitk.Quelle: , „Welt“-Kolumne

AKW-Kehrtwende – lauter Wandel als Politik – Erst plakatiert er den Ausstieg aus der Atomkraft, dann fordert er deren Weiterbetrieb – je nach Wählerstimmung ein anderer Kurs. Die taz wies süffisant darauf hin, Söder sollte lieber Windkraft ausbauen statt AKW‑Fantasien zu pflegen. TAZ


 

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Abschied eines Staatsmannes: Robert Habecks leise Machtverluste – und die laute Zukunft der Politik https://schirmer.net/politik-gesellschaft/abschied-eines-staatsmannes-robert-habecks-leise-machtverluste-und-die-laute-zukunft-der-politik/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/abschied-eines-staatsmannes-robert-habecks-leise-machtverluste-und-die-laute-zukunft-der-politik/#respond Mon, 25 Aug 2025 16:13:48 +0000 https://schirmer.net/?p=38 Als Robert Habeck am 25. August 2025 bekanntgab, dass er sein Bundestagsmandat zum 1. September zurückgeben wird, markierte das nicht bloß eine persönliche Neuorientierung, sondern einen stilprägenden Abschied eines Politikers, der verkörperte, was wir uns heute viel zu selten wünschen: einen Versöhner, Brückenbauer, jemanden, der Gemeinsamkeiten suchte statt Gegensätze zu verschärfen.

Ein großer Staatsmann geht – und hinterlässt ein Ideal

Habeck benennt klar, warum er sich zurückzieht: Er will Abstand vom eng gewordenen Korsett des Berliner Politikbetriebs gewinnen, um erst wieder empfangen zu können – und nicht bloß weiterzusenden . Anschließend plant er eine wissenschaftliche Tätigkeit im Ausland, etwa am Dänischen Institut für Internationale Studien und der Universität Berkeley – ein Zeichen, dass Abstand und Reflexion für ihn Voraussetzung neuen politischen Denkens sind .

Seine politische Praxis war stets geprägt von Versöhnung. Auch in Zeiten, in denen er sagte: „Die Rechtspopulisten haben eine Agenda, die ziehen sie seit zehn Jahren durch. Wir, die liberale Mitte, stehen staunend da und sagen: oje, oje.“  . Damit beschrieb er treffend ein ganzes politisches Vakuum – und setzte darauf, dieses Vakuum durch Dialog, Vernunft und gemeinsame Ziele zu füllen.

Er war jemand, der nicht spaltet, sondern verbindet; der nicht polarisierte, sondern Brücken baute und über politische Lager hinweg aushandelte. Menschen wie er fehlen uns jetzt umso mehr – genau weil er noch lange in Erinnerung bleiben wird als jemand, „den wir hätten haben können“: ein kluger, empathischer Führer, der Konsens über Konfrontation setzte.

Und nun? Mehr von dem Kontrast.

Denn wer tritt nach ihm auf die Bühne? Markus Söder, Friedrich Merz, Jens Spahn, Julia Klöckner – Leute, die oft spalten, polarisieren oder ideologisch verfestigen, statt die Gemeinsamkeit zu suchen . Habeck sagte einmal, wenn man die kommenden Protagonisten in Regierung und Opposition scannt – Merz, Klingbeil, Söder, Esken, Reichinnek, Dröge – lande man schnell wieder bei ihm . Dieser Vergleich spricht Bände: Er war derjenige, der sich politisch weniger über Lautstärke, Ideologie oder Stammtischformate definierte – sondern über die Qualität des Denkens, über Brücken über den Graben.

Warum seine Abwesenheit gerade jetzt spürbar wird

  • Politische Kommunikation ohne Polarisierung – Habeck hatte die Fähigkeit, komplexe Fragen verständlich zu formulieren und dabei die Balance zwischen Anspruch und Realitätsnähe zu wahren.
  • Suche nach gemeinsamen Interessen – Seine Politik war geprägt von der Erkenntnis, dass gesamtgesellschaftlicher Fortschritt nur durch gemeinsame Lösungen möglich ist.
  • Fokus auf Zukunft statt Opposition – Er wirkte wie ein Leuchtturm, der gerade in Krisenzeiten Orientierung bot – sei es beim Klimaschutz, bei Krisenmanagement oder im gesellschaftlichen Verständnis  .

Das ist es, was uns fehlen wird: nicht den lauten Popanz, sondern den ruhigen Brückenbauer. Wir erinnern uns daran, was wir hätten haben können – und in dieser Erinnerung liegt ein Appell: Wir brauchen wieder mehr solchen Politikstil.

Robert Habecks Rückzug markiert nicht nur das Ende einer politischen Karriere – sondern auch das Ende einer Ära der versöhnlichen, klugen Politik. Wir werden noch lange an den Politiker zurückdenken, der nicht spaltete, sondern vereinte. Und während die Bühne sich mit neuen Akteuren füllt – Merkels Nachfolger:innen, Merz, Spahn, Klöckner –, bleibt die Erkenntnis: Wir müssen erneut lernen, Brücken zu bauen, Dialoge zu führen und gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen.

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Mut statt Mangelverwaltung: Deutschland braucht echte Investitionen – nicht halbe Schritte https://schirmer.net/politik-gesellschaft/mut-statt-mangelverwaltung-deutschland-braucht-echte-investitionen-nicht-halbe-schritte/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/mut-statt-mangelverwaltung-deutschland-braucht-echte-investitionen-nicht-halbe-schritte/#respond Mon, 25 Aug 2025 05:33:16 +0000 https://schirmer.net/?p=36

Deutschland will modernisieren, endlich. Mit dem Sondervermögen »Infrastruktur und Klimaneutralität« sollen 500 Milliarden Euro in die Zukunft des Landes fließen. Ein großer Wurf? Leider nicht. Wer genauer hinschaut, erkennt: Es ist ein überfälliger Schritt – aber einer, der viel zu zaghaft bleibt.

Jahrzehnte der Unterlassung rächen sich

Die Bundesrepublik hat ihre Substanz verschlissen. Straßen, Schienen, Stromnetze und Schulen – überall zeigt sich der Preis jahrzehntelanger Sparpolitik. Die Produktivität stagniert, die Konjunktur lahmt, und gleichzeitig wundern wir uns über wachsende Standortprobleme. Dass jetzt mehr Geld fließen soll, ist gut – aber viel zu spät und zu wenig.

42 Milliarden pro Jahr sind zu knapp bemessen

Selbst wenn alle geplanten Mittel abgerufen würden, landet Deutschland bei öffentlichen Investitionen knapp über EU-Durchschnitt. Doch Länder wie Polen, Schweden oder Frankreich zeigen längst, was möglich ist. Statt aufzuholen, verwaltet Deutschland weiter den Rückstand. Studien sehen den eigentlichen Bedarf bei mindestens 60 Milliarden jährlich – eher mehr.

Falscher Weg: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren

Besonders fatal ist die geplante Einbindung privaten Kapitals. Auf den ersten Blick mag das elegant wirken – doch am Ende bedeutet es: Renditen für Konzerne, Zusatzkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher. Der Netzausbau allein könnte so bis 2037 Mehrkosten von 220 Milliarden Euro erzeugen. Eine gewaltige Umverteilung, die niemandem hilft – außer Investoren.

Dabei gäbe es einen viel besseren Weg: staatliche Beteiligungsgesellschaften, die Kapital günstig bereitstellen, Renditen in öffentlicher Hand halten und Infrastruktur kosteneffizient modernisieren. Damit würde der Staat nicht nur gestalten, sondern auch langfristig profitieren.

Mut zur Investitionsoffensive statt Angst vor Märkten

Während für Rüstungsausgaben die Schuldenbremse aufgeweicht wurde, bleibt sie für Zukunftsinvestitionen bestehen. Ökonomisch ein Treppenwitz: Jeder Euro für Bildung oder Infrastruktur bringt zwei bis drei Euro zurück. Jeder Euro für Rüstung verpufft fast wirkungslos – und trotzdem sind hier dreistellige Milliardenbeträge kein Problem.

Deutschland braucht endlich den Mut, diese Schieflage zu korrigieren. Nicht noch mehr Umwege über Private, sondern klare öffentliche Verantwortung. Nicht temporäre Sondervermögen, sondern eine dauerhafte Investitionsstrategie. Nicht Klein-Klein, sondern ein Aufbruch, der dem Anspruch einer Industrienation gerecht wird.

Zeit, groß zu denken

Die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft ist kein Randthema – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer jetzt kleinlich bleibt, riskiert, dass Deutschland den Anschluss verliert.

Es ist Zeit, groß zu denken: mit staatlichen Investitionsgesellschaften, mit einer Reform der Schuldenbremse und mit dem klaren Bekenntnis, Zukunft nicht dem Finanzmarkt zu überlassen, sondern demokratisch zu gestalten.

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Vom Leserbrief zur Vision: Warum Gießen sichere Radwege braucht https://schirmer.net/uncategorized/vom-leserbrief-zur-vision-warum-giessen-sichere-radwege-braucht/ https://schirmer.net/uncategorized/vom-leserbrief-zur-vision-warum-giessen-sichere-radwege-braucht/#respond Sat, 23 Aug 2025 05:54:11 +0000 https://schirmer.net/?p=31 sichere Infrastruktur reduziert beides deutlich. Risiko an Kreuzungen, viele Autos Segregierte Radwege verringern Kollisionen um bis zu 60 %. Radfahren zu anstrengend Komfortable Radwege und E-Bike-Nutzung machen es attraktiver “auch für Ältere” Radfahren hat keine Zukunft Städte wie Kopenhagen, Paris, Edinburgh zeigen: Mit Infrastruktur wird es Alltag auch klimafreundlich und gesund. Schlusswort Der Leserbrief von Herrn Lenz entfachte den Wunsch nach Veränderung – wenn er sich gegen eine bessere Infrastruktur wendet, liefert er unfreiwillig starke Argumente dafür. In Gießen ist der aktuelle Radwegbestand eben nicht ausreichend: Nur mit sicherer, zusammenhängender, komfortabler Infrastruktur wird Radfahren zur echten Alternative – und zwar für alle. Die Erfahrung aus europäischen Städten zeigt: Wer baut, schafft Nutzer:innen – und gewinnt Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität zugleich.]]> Der Leserbrief von Herrn Lenz beginnt wie ein leidenschaftliches Plädoyer für attraktive Radwege – doch überraschenderweise kommt er zu dem Schluss, dass der aktuelle Bestand ausreichend sei. Genau diese Wendung reizt zu einer fundierten Gegenposition: Die genannten Gefahren wie Flickenteppiche, kreuzungsbedingte Risiken und dominanter Autoverkehr sind keine Gründe gegen, sondern für eine verbesserte Fahrradinfrastruktur.

Diesen Ansatz stützen Städte weltweit – und auch wissenschaftliche Daten.

Internationale Erfolgsbeispiele

Kopenhagen

  • Zwischen 2002 und 2012 verfolgte Kopenhagen mit dem Cycle Policy-Programm ambitionierte Ziele: Der Anteil der Pendler:innen mit dem Rad sollte von 34 % auf 40 % steigen. Bis 2014 erreichte man sogar 45 % – ein klares Zeichen für den Erfolg der Maßnahmen  .
  • Die aktuelle Strategie “Good, Better, Best” zielt bis 2025 auf über 50 % Radanteil ab und setzt auf Komfort, Sicherheit, Geschwindigkeitsvorteile und bessere Parkinfrastruktur  .
  • Die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Effekte sind beachtlich: Jeder Radkilometer bringt der Gesellschaft netto einen Gewinn (1,22 DKK vs. Verlust mit Auto), plus reduzierte Gesundheitskosten und Produktivitätsgewinne  .

Paris – großes Radwegenetz zahlt sich aus

Mit dem Plan vélo 2015–2020 investierte die Stadt 150 Mio. €, verdoppelte das Radwegenetz, unterstützte E-Bike-Käufe und baute Fahrradparkplätze. Das Ergebnis: ein Anstieg des Radverkehrs um 47 % zwischen 2019 und 2020, teilweise bis zu 60 % auf bestimmten Routen. Bis 2021 war das Netzwerk bereits über 1.000 km groß  .

Pop-up-Radwege nach Corona

Eine Studie des Mercator Research Institute (MCC) zeigt: In europäischen Städten führte der kurzzeitig installierte Pop-up‑Radweg‑Ausbau nach dem Lockdown zu einer Zunahme des Radverkehrs von 11 % bis 48 %  . Eine ergänzende Analyse ermittelte, dass bereits 1 km temporäre Radspur den innerstädtischen Radverkehr um etwa 0,6 % steigert – und jährlich rund 2,3 Mrd. $ an gesundheitlichen Vorteilen schaffen kann  .

Schottland im Aufwind

In Edinburgh stiegen die Radpendler:innen auf 10 % – mit segregierten Radwegen wie dem City Centre West–East Link. Glasgow erzielte auf der Süd-Stadtspur sogar eine Nutzung von 15 % in Pendelzeiten. Dort, wo keine Trennung besteht, sinkt der Anteil auf nur 1,5 %. Sicherheit als entscheidende Motivation, sagt Keith Irving (Cycling Scotland)  .

Wissenschaftliche Erkenntnisse unterstützen den Ausbau

  • Induzierte Nachfrage durch Infrastruktur: Eine Simulationsstudie für Kopenhagen kommt zu dem Schluss, dass das dichte Radwegenetz dort Radfahrten um 60 % und gefahrene Fahrradkilometer um 90  % erhöht hat. Jeder Kilometer Radweg erzeugt einen Jahresnutzen von rund 0,4 Mio. € durch reduzierte Kosten von Gesundheitswesen, Unfällen und subjektivem Aufwand  .
  • Sicherheit durch Infrastruktur: Studien zeigen, dass geschützte Radstreifen (cycle tracks) das Unfallrisiko um 50–60 % senken im Vergleich zu geteilten Flächen oder dem Miteinander mit dem Autoverkehr  .
  • Perceived Risk: Eine Schlüsselbarriere für Radpendelnde ist die subjektiv empfundene Gefahr. Gute Infrastruktur erhöht das Sicherheitsgefühl deutlich – etwa durch grün markierte Wege, die die gefühlte Sicherheit um etwa 10 % steigern können  .



Fazit – Warum Gießen handeln sollte


Problem im LeserbriefWissenschaftlicher Gegenwert
Schlechte Straßen, FlickenteppicheErhöhen reales und subjektives Unfallrisiko > sichere Infrastruktur reduziert beides deutlich.
Risiko an Kreuzungen, viele AutosSegregierte Radwege verringern Kollisionen um bis zu 60 %.
Radfahren zu anstrengendKomfortable Radwege und E-Bike-Nutzung machen es attraktiver “auch für Ältere”
Radfahren hat keine ZukunftStädte wie Kopenhagen, Paris, Edinburgh zeigen: Mit Infrastruktur wird es Alltag auch klimafreundlich und gesund.

Schlusswort

Der Leserbrief von Herrn Lenz entfachte den Wunsch nach Veränderung – wenn er sich gegen eine bessere Infrastruktur wendet, liefert er unfreiwillig starke Argumente dafür. In Gießen ist der aktuelle Radwegbestand eben nicht ausreichend: Nur mit sicherer, zusammenhängender, komfortabler Infrastruktur wird Radfahren zur echten Alternative – und zwar für alle. Die Erfahrung aus europäischen Städten zeigt: Wer baut, schafft Nutzer:innen – und gewinnt Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität zugleich.

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Wohlbefinden stärken: Das „Well-Being-Programm“ von SOS-Kinderdorf in Österreich https://schirmer.net/zapchen/wohlbefinden-staerken-das-well-being-programm-von-sos-kinderdorf-in-oesterreich/ https://schirmer.net/zapchen/wohlbefinden-staerken-das-well-being-programm-von-sos-kinderdorf-in-oesterreich/#respond Fri, 22 Aug 2025 16:01:59 +0000 https://schirmer.net/?p=25 Wie können wir das seelische Wohlbefinden von Grundschulkindern fördern – und gleichzeitig Lehrkräfte langfristig in ihrer Arbeit stärken? Ein vielversprechender Ansatz: Das pilotierte Well‑Being‑Programm (Somatic Self-Regulation für Körper und Seele) von SOS‑Kinderdorf Österreich – gemeinsam entwickelt mit der Universität Innsbruck und der IoT42 GmbH.

Was steckt im Programm?

  • Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler der Primarstufe sowie ihre Lehrkräfte im Rahmen einer Seminarreihe im Schuljahr 2024/2025.
  • Inhalte:
    • Somatische Selbstregulation (also den eigenen Körper wahrnehmen, verstehen und regulieren)
    • Prävention von Überlastung & Burnout für Lehrkräfte
    • Freundliche Selbstzuwendung und Körperkompetenz im Schulalltag
  • Toolkit inklusive Materialien – für einen spielerischen und praxisorientierten Einsatz im Unterricht:
    • A5-Symbolkarten (mit kindgerechtem „Wie & Warum“-Text)
    • Blanko‑Würfel mit wechselnden Bildern
    • A5‑Heft für jedes Kind inkl. Sticker
    • Handout für Lehrkräfte
    • Audiodateien für Übungen im Klassenzimmer

Warum ist das Programm bemerkenswert?

  • Ganzheitlicher Ansatz: Es verbindet körperliche Achtsamkeit (somatische Selbstregulation) mit pädagogischem Alltag – ein bisher wenig genutztes Element in Schulen.
  • Präventiv und praxisnah: Für Kinder stimmungsfördernd und handhabbar, für Lehrkräfte ein Tool zur Stressprävention.
  • Wissenschaftlich begleitet: Pilotprojekt mit Universität Innsbruck – fundierte Evaluation inklusive.
  • Ressourcen für den Alltag: Das liebevoll gestaltete, fertige Materialkit ermöglicht sofortige Anwendung ohne große Vorbereitung.

Fazit – ein wertvoller Beitrag für schulisches Wohlbefinden

In einer Zeit, in der Schule oft vor Herausforderungen wie Stressbewältigung, Emotionalität und Überlastung steht, setzt das Well-Being-Programm einen neuen Fokus: auf KörperbewusstseinResilienz und gegenseitige Fürsorge. Es ist ein mutiger und zukunftsweisender Schritt hin zu einem liebevollen, achtsamen Schulumfeld – sowohl für Kinder als auch für Lehrkräfte.

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