Windkraft – Lorenz denkt öffentlich https://schirmer.net Alles was mich so bewegt. Politik, Klima, Energiewende, Zukunft, Perspektive, Liebe und Mitgefühl, Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaat, IT, IoT, Stuff Sun, 07 Jun 2026 05:05:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://schirmer.net/wp-content/uploads/2025/08/cropped-icon-32x32.png Windkraft – Lorenz denkt öffentlich https://schirmer.net 32 32 Wenn die „verlässliche Grundlast” ins Schwitzen kommt https://schirmer.net/politik-gesellschaft/wenn-die-verlaessliche-grundlast-ins-schwitzen-kommt/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/wenn-die-verlaessliche-grundlast-ins-schwitzen-kommt/#respond Sun, 07 Jun 2026 05:05:14 +0000 https://schirmer.net/?p=104

Wie Frankreichs Atomkraft jedes Mal wackelt, sobald der Sommer kommt – und warum darüber kaum jemand spricht


Es ist Anfang Juni 2026, und in Hessen liegt der erste richtige Hitze-Vorgeschmack hinter uns. Im Rhein-Main-Gebiet kamen Ende Mai bis zu zwölf Sommertage und bis zu sieben heiße Tage über 30 Grad zusammen – eine vergleichbar frühe Häufung heißer Maitage gab es laut DWD zuletzt 1953. In Frankfurt am Main wurde am 26. Mai eine Spitze von 32,4 Grad gemessen, der bundesweite Höchstwert lag wenige Tage später im benachbarten Oberrheingraben bei rund 34 Grad. Bei mir zuhause war das kein Drama: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt Büro und Haushalt, lädt das Auto, und die Wärmepumpe kümmert sich ums Warmwasser – und könnte das Haus bei Bedarf sogar kühlen. Unterm Strich bleiben meine Stromkosten praktisch gleich, egal wie heiß es draußen wird.

Beim großen Atomnachbarn sieht das anders aus. Dort wurde es schon nervös, bevor der eigentliche Hochsommer überhaupt begonnen hat.


Mai 2026: Hitzewelle erst angekündigt, Strompreis schon oben

Ende Mai 2026 rollte über Westeuropa die erste Hitzewelle des Jahres. In Paris wurden Tageshöchsttemperaturen von bis zu 33 Grad erwartet, in vielen französischen Regionen lagen die Werte 15 Grad oder mehr über dem langjährigen Durchschnitt. Die unmittelbare Folge an der Strombörse: Der französische Frontmonatspreis sprang am Dienstag, 27. Mai, zeitweise um bis zu 11,7 Prozent nach oben – auf 33,65 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende März. Der Terminkontrakt für das dritte Quartal legte um bis zu 6,1 Prozent zu.

Der Auslöser war noch nicht einmal ein konkreter Ausfall, sondern die Sorge, dass die anhaltende Hitze zu Einschränkungen bei der Kernkraft führen könnte. Energieanalysten benannten sehr konkret die Risikokandidaten: die Reaktoren entlang von Rhône und Garonne – Bugey, Saint-Alban, Cruas, Tricastin und Golfech.

Und die Daten gaben ihnen recht. Die Wassertemperatur der Rhône war Ende Mai schon ungewöhnlich hoch: In Genf wurden 21,3 Grad gemessen – ein Rekordwert für den Monat Mai. Eine Woche zuvor hatte die Temperatur noch bei 13 Grad gelegen.

Quellen: Handelsblatt, „Hitzewelle: Französische Strompreise steigen wegen Atomkraftsorgen”, 27.05.2026; Telepolis, „Frankreich in der Hitzefalle”, Juni 2026.


Das ist kein Ausreißer. Das ist ein Muster.

Wer beim Stichwort „Atomkraft und Hitze” denkt, das sei eine seltene Ausnahme, sollte sich die letzten gut zwanzig Jahre ansehen. Es zieht sich wie ein roter Faden.

2003 – der Jahrhundertsommer. Frankreich muss seine Meiler reihenweise drosseln und lockert kurzerhand Umweltgrenzwerte, damit die Reaktoren weiterlaufen können. In der Schweiz wird das Atomkraftwerk Beznau über 50 Tage gedrosselt – die bislang längste Reduktion in der Geschichte des Werks.

2018 – wieder ein Hitzesommer. In der Schweiz wird die Temperatur der Aare unterhalb des AKW Beznau an mehreren Tagen deutlich über 25 Grad gemessen. Konsequenz: Das Bundesamt für Energie erlässt eine neue Verfügung, die genau diese Grenze rechtlich festschreibt – das AKW muss heruntergefahren werden, wenn die Aare drei Tage in Folge wärmer als 25 Grad ist.

2019 – das gleiche Spiel an Rhein und Rhône.

2022 – es wird grotesk. Anfang Juni stehen 29 der 56 französischen Reaktoren still – wegen Korrosionsproblemen, Wartung und Hitze gleichzeitig. Im Herbst ist die tatsächlich verfügbare Leistung zeitweise auf 27,1 Gigawatt begrenzt – von einer installierten Kapazität von 61,4 Gigawatt. Mehr als die Hälfte der Reaktoren liefert keinen Strom. Frankreich – jahrzehntelang Stromexporteur – muss erstmals netto Strom importieren, unter anderem aus Deutschland. An mehreren Standorten werden Umweltauflagen für die Kühlwassereinleitung „vorübergehend” gelockert, damit die Reaktoren überhaupt laufen können. Das AKW Saint-Alban an der Rhône wird zeitweise von 1.300 auf 260 Megawatt heruntergefahren.

2025 – wieder Hitzewelle, wieder die gleichen Standorte: EDF kündigt Drosselungen für Saint-Alban (direkt rhônegekühlt, ohne Kühltürme), Bugey und Blayais an. In der Schweiz erreicht die Aare am 29. Juni die kritische 25-Grad-Marke. Axpo drosselt Beznau zunächst auf 50 Prozent, dann wird Block 1 am 1. Juli komplett abgeschaltet, Block 2 wenige Tage später ebenfalls. Gleichzeitig läuft im Hintergrund ein Antrag von Axpo, die Regeln zu lockern – das eingeleitete Wasser soll künftig ein Grad wärmer sein dürfen, und die Abschaltung soll erst greifen, wenn die Aare an mindestens fünf Stunden pro Tag über 25 Grad ist (statt schon bei einmaliger Überschreitung). An Frankreichs Küste verstopfen außerdem Quallen die Filtertrommeln der Kühlung mehrerer Atomkraftwerke – eine Folge mariner Hitzewellen.

2026 – wir sind wieder da. Hitzewelle, steigende Flusstemperaturen, steigende Preise, dieselben Sorgenfalten.

Quellen: SRF, „Aare zu warm – AKW Beznau stellt wegen der Hitze auch zweiten Reaktor ab”, 03.07.2025; Axpo-Medienmitteilung, „Kernkraftwerk Beznau reduziert Leistung aufgrund hoher Aare-Wassertemperaturen”; iwr.de zur Drosselung von Saint-Alban und Bugey, Juni 2025; atommuellreport.de zu Stillständen 2022; nau.ch zur Drosselung Saint-Alban 2022; cleanthinking.de zur Bilanz 2022.


„Grundlastfähig” – aber bitte nur bei angenehmen Temperaturen

Wenn etwas in den vergangenen über zwanzig Jahren jeden ernsthaften Sommer ins Schwitzen kommt, dann lässt sich die Behauptung, es sei der unverwüstliche Fels in der Brandung der Energieversorgung, nur noch mit Mühe aufrechterhalten.

Die Physik dahinter ist im Grunde simpel: Ein Kernkraftwerk ist – das sagen Reaktoringenieure selbst halb scherzhaft – im Wesentlichen eine sehr komplizierte Methode, Wasser zu kochen. Nur etwa ein Drittel der bei der Kernspaltung freiwerdenden Energie wird in Strom umgewandelt. Der große Rest geht als Abwärme verloren – und die muss irgendwohin. In Frankreich heißt „irgendwohin” sehr oft: in den nächsten Fluss.

Wird der Fluss zu warm oder führt er zu wenig Wasser, schlägt der Wirkungsgrad-Nachteil voll durch. Die Kühlwassereinleitung darf den Fluss nicht über bestimmte Grenzwerte hinaus aufheizen, also muss das Kraftwerk seine Leistung reduzieren. Im Extremfall ganz abschalten. Genau das passiert seit Jahren immer wieder – im Süden Frankreichs, in der Schweiz, gelegentlich auch am Neckar in Deutschland.

Eine Energieform, die ihre Leistung bei genau dem Wetter zurückfahren muss, bei dem die Klimaanlagen und Kühlhäuser auf Hochtouren laufen, ist vieles. Aber „grundlastfähig” im Sinne von „immer verlässlich verfügbar” ist sie nicht.

Quellen: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt (Wirkungsgrad < 40 %); Nuklearia.de zur Erklärung von Drosselungen aus wasserrechtlichen Gründen; Water History 2020, „A complicated way of boiling water”.


Das Thema, über das niemand reden will: Die Abwärme

Jetzt kommt der Punkt, der mich am meisten ärgert – und der in der ganzen Debatte fast vollständig untergeht.

Diese „saubere” Atomkraft kippt im Normalbetrieb gewaltige Mengen Abwärme in die Flüsse. Genau deshalb gibt es überhaupt die Temperaturgrenzwerte, die im Hochsommer plötzlich zum Problem werden. Diese Grenzwerte sind nicht zum Spaß da. Sie schützen Flora und Fauna.

Das eingeleitete Kühlwasser eines AKW kann bis zu 33 Grad warm sein. Im Falle von Beznau heißt das: Aus der Aare wird Wasser entnommen und auf bis zu 32 Grad erwärmt wieder zurückgeleitet. Im Fall des inzwischen stillgelegten AKW Fessenheim hat eine Umweltexpertin der Universität Toulouse die Wärmewirkung der jährlich eingeleiteten 3.600 MW thermischer Energie auf eine Erwärmung von bis zu zwei Grad Celsius in einem Radius von bis zu 100 Kilometern beziffert – also bis Marckolsheim, Straßburg, Iffezheim hinunter.

Was das ökologisch bedeutet, ist gut dokumentiert: Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff binden als kühles. Gleichzeitig sterben in warmem Wasser mehr Pflanzen und Kleinlebewesen ab, deren Verrottung wiederum Sauerstoff aus dem Wasser zieht. Den Fischen geht damit doppelt die Luft aus. Bei längeren Hitzeperioden kann das ganze Gewässer „kippen”. Genau davor sollen die 25-Grad-Grenze in der Schweiz oder die analogen Auflagen in Frankreich schützen.

Und genau die werden in der Not regelmäßig „vorübergehend” gelockert. 2003. 2018. 2022. EDF und auch Axpo haben mehrfach versucht, diese Lockerungen zu Dauerregelungen zu machen – mit dem Argument der Versorgungssicherheit.

Quellen: Stuttgarter Zeitung zu Fessenheim-Wärmewirkung; finanzmarktwelt.de zur wiederholten Grenzwert-Anhebung in Frankreich seit 2018; 100-gute-gruende.de zu Sauerstoff und Fischen; SRF/Beobachter zu Axpos Lockerungsgesuch.


Doppelmoral, die langsam unerträglich wird

Und jetzt mal ehrlich: Wenn ein einzelner Vogel in ein Windrad fliegt, kennt der Aufruhr in den Kommentarspalten keine Grenzen. Es gibt eigene Schlagworte dafür („Vogelschredder”), Talkshows, monatelange Lokaldebatten, ganze politische Karrieren werden auf dem Thema gebaut. Naturschutz, immer wieder Naturschutz.

Wenn ein Kernkraftwerk Jahr für Jahr Millionen Kubikmeter Kühlwasser entnimmt, einen Teil davon über Kühltürme verdunstet, den Rest deutlich erwärmt in einen ohnehin schon röchelnden Fluss zurückleitet, dabei dokumentiert die Sauerstoffversorgung der Wassertiere belastet und im Krisenfall sogar die Grenzwerte gelockert werden – dann ist es still. Da ist Naturschutz auf einmal keine Schlagzeile mehr wert.

Allein in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes stehen 14 Reaktoren in der Nähe der Rhône. Jeder davon heizt den Fluss ein Stück mehr auf, entnimmt enorme Wassermengen, verdampft einen großen Teil über die Kühltürme in die Atmosphäre. Für die Kühlung aller AKW in der EU werden laut Branchenangaben pro Jahr rund 2,5 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigt.

Bei Windkraft diskutieren wir tagelang über einzelne Tiere. Bei Atomkraft ignorieren wir ganze Flussökosysteme. Diese Doppelmoral kann ich nicht mehr ernst nehmen.

Quellen: finanzmarktwelt.de zu 14 Rhône-Reaktoren; sonnenseite.com zu 2,5 Mrd. m³ Wasserverbrauch in der EU.


Die Bilanz: teuer, träge, wettersensibel

Frankreichs Atomkraft hat noch weitere Probleme, die den Mythos vom günstigen, immer laufenden Wundermeiler beschädigen:

  • Massive Korrosionsprobleme: 16 Reaktoren waren 2022/2023 von Spannungsrisskorrosion betroffen, mit teils langen Stillständen.
  • EDF musste verstaatlicht werden, machte 2022 allein 18 Milliarden Euro Verlust, schleppt Schulden im zweistelligen Milliardenbereich vor sich her.
  • Atomstrom wird teurer: Mit dem Auslaufen des ARENH-Systems Ende 2025 steigt der regulierte Preis für französischen Atomstrom 2026 von 42 Euro auf 70 Euro pro Megawattstunde – ein Aufschlag von rund 67 Prozent.
  • Die Kosten der Laufzeitverlängerung der bestehenden Meiler werden auf rund 66 Milliarden Euro geschätzt, Neubauten zusätzlich auf 56 bis 58 Milliarden – und selbst der staatliche französische Rechnungshof hält diese Schätzungen für zu niedrig.
  • Müll für Generationen: Daran hat sich seit Jahrzehnten konzeptionell nichts geändert. Ein einziges geologisches Endlager auf der Welt – Onkalo in Finnland – ist nach jahrzehntelanger Planung kurz vor der ersten Einlagerung.

Auch beim oft beschworenen Strompreisvergleich lohnt sich ein zweiter Blick: Ja, es gibt Phasen, in denen der französische Großhandelspreis deutlich unter dem deutschen liegt – das passiert vor allem dann, wenn der gesamte AKW-Park gut läuft und Deutschland Gas teuer einkaufen muss. Aber sobald die Hitze einsetzt, kippt das Bild teilweise binnen Tagen. Die Behauptung „Atomstrom ist immer billig” hält der Wirklichkeit nicht stand.

Quellen: cleanthinking.de, klimareporter.de und IWR zu EDF-Bilanz und ARENH-Preiserhöhung; finanzmarktwelt.de zu Preisdifferenzen.


Was bei 34 Grad nicht schlappmacht, sondern liefert

Während Frankreich bei der nächsten Hitzewelle wieder Richtung Importknopf schielt, dreht bei mir die Anlage auf dem Dach erst so richtig auf. Photovoltaik liefert dann am meisten, wenn der Strombedarf für Kühlung und Klimaanlagen am höchsten ist. Wärmepumpen können – paradoxerweise – im Sommer kühlen. Batteriespeicher puffern den Tag-Nacht-Versatz. Und: nichts davon braucht einen Fluss, der ihm die Wärme abnimmt.

Ich behaupte nicht, dass Erneuerbare alle Probleme der Welt lösen. Wir brauchen Netze, Speicher, Flexibilität – und wir sollten ehrlich über Schwankungen reden, statt sie wegzudiskutieren. Aber wer eine Energieform als „die” Lösung verkauft, die jedes Mal Probleme bekommt, sobald der Sommer ernst macht, sollte das Wort „grundlastfähig” wenigstens in Anführungszeichen setzen.

Atomkraft ist nicht das saubere, wetterfeste Bollwerk, als das sie oft verkauft wird. Sie ist teuer, sie ist träge, sie hinterlässt Müll für Generationen – und sie hängt stärker am Wetter, als ihren Fans lieb ist.

Vielleicht ist es Zeit, der angeblich stärksten Säule beim Wackeln nicht länger applaudierend zuzusehen – und stattdessen auf das zu setzen, was bei 34 Grad nicht schlappmacht, sondern liefert.


Quellen (Auswahl)

  • Handelsblatt, „Hitzewelle: Französische Strompreise steigen wegen Atomkraftsorgen”, 27.05.2026.
  • Telepolis, „Frankreich in der Hitzefalle: Wenn der Klimawandel die Wirtschaft trifft”, Juni 2026.
  • SRF, „Aare zu warm – AKW Beznau stellt wegen der Hitze auch zweiten Reaktor ab”, 03.07.2025.
  • Axpo, Medienmitteilung „Kernkraftwerk Beznau reduziert Leistung aufgrund hoher Aare-Wassertemperaturen”, 29.06.2025.
  • iwr.de, „Hitzewelle bedroht französischen Atomstrom: EDF kündigt mögliche Drosselung an”, 23.06.2025.
  • iwr.de, „Schweizer Atomkraftwerk Beznau 1 wegen Hitzewelle komplett abgeschaltet”, 02.07.2025.
  • Beobachter, „AKW Beznau wegen Hitze abgeschaltet: Streit um Wassertemperatur”, 03.07.2025.
  • atommuellreport.de, „Frankreich: Spannungsrisskorrosion legt AKWs lahm”, 2022.
  • cleanthinking.de, „Atomkraft Frankreich: Sackgasse statt Renaissance”, 2023.
  • klimareporter.de, „Atomstrom in Frankreich wird deutlich teurer”, 12.12.2023.
  • finanzmarktwelt.de, „Strompreis in Frankreich mit Rekordrabatt gegenüber Deutschland”, Januar 2025.
  • nau.ch, „Französisches Atomkraftwerk muss wegen Trockenheit gedrosselt werden”, 07.06.2022.
  • Stuttgarter Zeitung, „Kühlwasser vom Atomkraftwerk Fessenheim”, März 2020.
  • sonnenseite.com, „Klimawandel bedroht Atomkraft”, August 2024.
  • Solarify, „Hitzewelle in Frankreich: EDF drosselt Atomkraftwerke wegen zu warmer Flüsse”, Juli 2025.
  • 100-gute-gruende.de, „Heiße Flüsse”.
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, „Umweltauswirkungen von Kernkraftwerken”.
  • Statista, „Struktur der Bruttostromerzeugung in Frankreich” (Anteil Kernenergie 2022–2024).

#faktenstattfiktion #Atomkraft #Energiewende #Hitzewelle #Photovoltaik

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Windkraft – ein wirtschaftlicher Wind in Selbstverwaltung https://schirmer.net/politik-gesellschaft/windkraft-ein-wirtschaftlicher-wind-in-selbstverwaltung/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/windkraft-ein-wirtschaftlicher-wind-in-selbstverwaltung/#respond Sun, 07 Sep 2025 10:52:20 +0000 https://schirmer.net/?p=83
Windkraft – ein wirtschaftlicher Wind in Selbstverwaltung

Die Machbarkeitsstudie zur ökologischen und technischen Umsetzbarkeit von Windkraft in Wettenberg bietet den idealen Auftakt, um Bürger*innen und Gewerbetreibende transparent einzubinden. Windkraft birgt nicht nur ökologisch großen Nutzen – klimapositiv und nachhaltig –, sondern kann auch erhebliche Einnahmen für die Gemeinde generieren.


Kommunale Haushaltsentlastung am Beispiel Simmerath (Eifel)

Durch Windkraft erzielte Einnahmen ermöglichten Simmerath den Bau eines familienfreundlichen Schwimmbads mit zwei Becken sowie moderner Sport- und Betreuungsinfrastruktur – ohne Grundsteuererhöhungen für Familien„Hätten wir diese Einnahmen nicht, müssten wir die Grundsteuer für eine vierköpfige Familie … um rund 500 Euro pro Jahr erhöhen“ – so Bürgermeister Bernd Goffart 

Das Ergebnis: statt Einwohnerverlust erzielte die Gemeinde ein Bevölkerungswachstum von 10 % – Windkraft als sichtbarer Zukunftsimpuls.


Bostelwiebeck in der Lüneburger Heide

Vier Windenergieanlagen bringen den angrenzenden Gemeinden jährlich rund 100.000 € an freiwilligen Zahlungen ein, die gezielt in lokal sichtbare Projekte – etwa ein neues Gemeindezentrum – investiert werden  

Zudem regelt § 6 EEG seit 2021 eine Beteiligung von 0,2 Cent pro eingespeiste kWh – je Anlage also zusätzliche Einnahmen von 20.000–35.000 € jährlich. Gemeinden können darüber frei entscheiden .


Größere Dimension: Qualitas Energy

Der Betreiber Qualitas Energy zahlte 2023 mehr als 1 Mio. € freiwillige kommunale Abgaben, mit Ausbaupotenzial bis zu 5 Mio. € jährlich  . Solche Beiträge sind strukturelle Zukunftsvorsorge für Gemeinden.


Langfristige Perspektiven: Rhein-Hunsrück-Kreis

Seit dem Einstieg in erneuerbare Energien 1999 deckt der Rhein-Hunsrück-Kreis mittlerweile fast 60 % seines Strombedarfs über regenerative Anlagen und erwirtschaftet daraus 14,6 Mio. € kommunale Wertschöpfung pro Jahr.


Vorzeigeprojekt Wildpoldsried (Allgäu)

Die Gemeinde produziert rund 321 % mehr Energie als sie verbraucht und erzielte damit bereits 2011 etwa 4 Mio. € Umsatz jährlich. Zahlreiche kommunale Gebäude folgten – darunter Schul- und Sportstätten – und das mit 65 % weniger CO₂-Emissionen


Fazit – Windkraft als Schlüssel zur Zukunft

1. Ökonomische Hebelwirkung: Windkraft generiert Einnahmen über Pacht, Gewerbesteuer oder freiwillige Abgaben – die Grundlage für kommunale Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Sport und Kultur.

2. Steuerminderung & Haushaltsspielraum: Ersparnisse für Bürger*innen (siehe Simmerath), Schuldenabbau und bessere Lebensqualität.

3. Bürgernähe & Transparenz: Beteiligungsformen wie Bürgerwindparks, Energiegenossenschaften, Nachrangdarlehen oder Regionaldialoge schaffen Akzeptanz, Identifikation und Zusammenhalt  https://www.caeli-wind.de/ratgeber/detailseite/windenergie-in-kommunen-wie-staedte-und-gemeinden-die-energiewende-zum-heimspiel-machen-koennen
https://www.statkraft.de/explained-by-statkraft/wind-oder-solarparks-beteiligung/

4. Zukunftssicherheit: Beispiele wie Bostelwiebeck, Rhein-Hunsrück oder Wildpoldsried zeigen, wie Windkraft zu nachhaltigem Wohlstand, Energiewende und modernem Gemeindeleben beiträgt.


Chancen für Wettenberg

Gerade für Wettenberg eröffnen sich durch die Windkraft erhebliche Möglichkeiten: stabile Einnahmen aus Pacht, Gewerbesteuern und EEG-Beteiligungen könnten den Haushalt nachhaltig stärken und dringend benötigte Investitionen in Schulen, Sportstätten, Digitalisierung und Klimaanpassung ermöglichen. Gleichzeitig ließe sich die lokale Wirtschaft fördern – etwa durch Aufträge für regionale Handwerksbetriebe, Dienstleister und Zulieferer. Auch das örtliche Gewerbe profitiert von langfristig planbaren, günstigeren Energiekosten und einer besseren Versorgungssicherheit. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: weniger Steuerdruck, sichtbare Verbesserungen im Alltag und die Gewissheit, dass die Gemeinde aktiv ihre Zukunft gestaltet – ökologisch wie ökonomisch.

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#technologieentschlossenheit https://schirmer.net/iot/technologieentschlossenheit/ https://schirmer.net/iot/technologieentschlossenheit/#respond Wed, 27 Aug 2025 05:37:50 +0000 https://schirmer.net/?p=44 Bewährte, reife Technologien – der „Werkzeugkasten“ ist voll

  • Solar (Photovoltaik), Windkraft, Wasserkraft, Geothermie: Sie liefern Strom mit unter 5 % der CO₂‑Emissionen von Kohle – laut IPCC  .
  • Speicherlösungen: Lithium‑Ionen‑Batterien sind etabliert; daneben steht eine ganze Palette an Großspeichern bereit – klassische Pumpspeicher, Wärme‑ bzw. Carnot‑Batterien  , Power‑to‑Gas-Systeme mit Riesenspeicherpotenzial im deutschen Gasnetz (> 200 000 GWh)  .
  • Smart Grids, Digitalisierung & KI helfen, Angebot und Nachfrage effizient zu steuern – z. B. über Prosumernetze, Blockchain, AI‑basierte Netzoptimierung  .
  • Wasserstoff & Sektorkopplung: Elektrolyseanlagen (Alkaline, PEM, SOEC) existieren in kommerziellem oder hohem Technologie-Reifegrad  .
  • Kohlenstoffbindung (CCS), BECCS, insbesondere bei Biomasse: erprobte Technologien mit verschiedenen Methoden wie oxy‑fuel oder post‑combustion CO₂‑Abscheidung  .

Forschung & Innovation – „Zukunftstechnologien“, aber nicht Voraussetzung

Nein, wir brauchen keine reine Technologierevolution – wir brauchen Einsatz:

  • Es existieren emerging Technologien wie Dünnschicht‑PV (Perowskite, CIGS), Meeresenergie (Gezeiten, Wellen), Sandbatterien oder künstliche Fotosynthese – vielversprechend, aber nicht zwingend, um jetzt voranzukommen  .
  • Der Fokus sollte auf schneller Skalierung vorhandener Lösungen liegen – laut BloombergNEF reichen reif entwickelte Technologien, um dem Pariser Ziel näher zu kommen. Ein rascher Ausbau kann globale Emissionen bis 2050 deutlich reduzieren  .

Argument “Technologie-Offenheit”: Ein Ablenkungsmanöver?

Technologie‑Offenheit wird oft als Tugend verkauft – aber allzu oft ist es ein Vorwand dafür, sich an alte Strukturen zu klammern:

  • Mancher wartet auf „die nächste große Technologie“, während bestehende, kostenseitige Technologien wirtschaftlich konkurrenzfähig sind und Profit bieten  .
  • Wind- und Solarstrom, Batteriespeicher und effiziente Netzinfrastruktur sind heute günstig – „sauberer Strom verkauft sich“, siehe Jobwachstum und De-facto‑Markterfolge  .
  • Andere, insbesondere in Politik oder Industrie, nutzen Technologie‑Offenheit, um sich nicht zwischen klarem Handlungsdruck zu entscheiden. Das verschiebt Fortschritt und lässt Potenzial ungenutzt.

Beispiele für den entschlossenen Einsatz heute

  • Optimale Kombination: Solar + Wind + flexible Speicher + Smart Grids + Wasserstoff als saisonale Ergänzung. Alles verfügbar, alles einsatzfähig.
  • Power‑to‑Gas nutzt bestehende Gasnetz‑Infrastruktur – kosteneffizienter als rein elektrische Langzeitspeicherung  .
  • Carnot‑Batterien: große Energiespeicher in Wärmesystemen, keine seltenen Rohstoffe nötig, teils nutzbar in alten Kraftwerkeinrichtungen  .
  • Smart Grids + Digitaltechnik sorgen für Effizienz und Stabilität – bereits kommerziell nutzbar  .

Fazit: Genug Technologie – jetzt zählt Entschlossenheit

  1. Verfügbar: Alle nötigen Technologien existieren heute – von Solar bis Speicher, von Smart Grids bis Wasserstoff.
  2. Einsatzfähigkeit: Sie sind reif, erprobt, ökonomisch sinnvoll.
  3. Blockade durch Offenheit? Technologie‑Offenheit darf nicht zur Exkulpation werden – wer wartet, verliert Zeit und Chancen.
  4. Nur entschlossene Umsetzung zählt: Politische Entscheidungen, Investitionen, gesellschaftlicher Rückhalt, klare Zeitpläne – das ist der Schlüssel zur Wende.

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Warum Wettenberg auch bei mittlerer Standortgüte einen Windpark braucht https://schirmer.net/politik-gesellschaft/warum-wettenberg-auch-bei-mittlerer-standortguete-einen-windpark-braucht/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/warum-wettenberg-auch-bei-mittlerer-standortguete-einen-windpark-braucht/#respond Fri, 22 Aug 2025 13:53:20 +0000 https://schirmer.net/?p=22 Die Gemeinde Wettenberg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Klimaneutralität bis 2035. Dieses Ziel erfordert konsequentes Handeln, und erneuerbare Energien spielen dabei eine Schlüsselrolle. Doch was tun, wenn der mögliche Standort für einen Windpark nur eine „mittlere Güte“ aufweist? Ist das Projekt dann noch sinnvoll?

Die Antwort ist klar: Ja – unbedingt!


1. Klimaneutralität braucht lokale Energieerzeugung

Um bis 2035 klimaneutral zu werden, muss Wettenberg seinen Energiebedarf weitgehend aus erneuerbaren Quellen decken. Photovoltaik allein reicht nicht: Solarenergie ist wetter- und tageszeitabhängig. Windkraft ergänzt PV ideal, weil sie vor allem im Herbst, Winter und nachts Strom liefert. So entsteht eine verlässlichere Gesamtversorgung.


2. Mittlere Güte heißt nicht unbrauchbar

Ein Standort mit mittlerer Windgüte bedeutet nicht, dass der Windpark ineffizient wäre. Moderne Windkraftanlagen sind leistungsfähig, leise und auch bei geringeren Windgeschwindigkeiten wirtschaftlich. Schon heute können Anlagen mit über 200 Metern Nabenhöhe auch in Mittelgebirgsregionen eine hohe Jahresstromproduktion erreichen.


3. Regionale Wertschöpfung und Unabhängigkeit

Ein eigener Windpark bringt der Gemeinde nicht nur klimafreundlichen Strom, sondern auch ökonomische Vorteile:

  • Einnahmen aus Pachten und Gewerbesteuern
  • Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen
  • Reduzierte Abhängigkeit von fossilen Importen und schwankenden Weltmarktpreisen

4. Vorbildfunktion und Glaubwürdigkeit

Wenn Wettenberg Klimaneutralität bis 2035 ernst meint, muss die Gemeinde alle verfügbaren Potenziale ausschöpfen. Der Bau eines Windparks – auch an einem Standort mittlerer Güte – sendet ein klares Signal: Wir handeln jetzt, nicht irgendwann. Das stärkt die Glaubwürdigkeit lokaler Klimapolitik und wirkt motivierend für Bürger:innen und Unternehmen.


5. Der Mix macht’s

Klimaneutralität wird nicht durch ein einzelnes Projekt erreicht. Photovoltaik, Windkraft, Energiesparen, Speicher und Effizienzmaßnahmen greifen ineinander. Ein Windpark ist dabei ein unverzichtbarer Baustein, selbst wenn die Bedingungen nicht perfekt sind.


Fazit

Die Energiewende gelingt nur, wenn wir Chancen ergreifen – auch dort, wo die Rahmenbedingungen nicht ideal erscheinen. Ein Windpark in Wettenberg ist deshalb nicht „zweite Wahl“, sondern eine Investition in die Zukunft der Gemeinde, in Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung.

👉 Wer 2035 klimaneutral sein will, muss 2025 handeln.

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Das Leben ist vielfältig – Energiewende global https://schirmer.net/politik-gesellschaft/das-leben-ist-vielfaeltig-und-schoen-auch-global-gedacht/ https://schirmer.net/politik-gesellschaft/das-leben-ist-vielfaeltig-und-schoen-auch-global-gedacht/#respond Fri, 22 Aug 2025 13:44:16 +0000 https://schirmer.net/?p=18 Das Leben zeigt sich in unzähligen Farben, Formen und Perspektiven. Diese Vielfalt ist ein Geschenk – und sie macht deutlich: Unser eurozentrischer Blick ist oft eng. Wer den Mut hat, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, entdeckt inspirierende Denkweisen, Lebensweisen und Lösungen.

Gerade bei großen Zukunftsaufgaben wie der Energiewende lohnt sich dieser Perspektivwechsel. Während wir in Deutschland noch ringen, sind andere Länder bereits deutlich weiter und setzen Maßstäbe:

  • Costa Rica: Schon 2019 deckte das Land über 98 % seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. Möglich wurde das durch eine Kombination aus Wasserkraft, Wind- und Geothermieanlagen – und durch konsequenten politischen Willen (Borgen ProjectWorld Future Council).
  • Marokko: Mit dem Noor-Solarprojekt in Ouarzazate betreibt Marokko eines der größten Solarkraftwerke der Welt (580 MW). Es reduziert massiv die Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und positioniert das Land als künftigen Exporteur von grünem Strom (Borgen ProjectPower Technology).
  • China: Kein Land treibt die Energiewende schneller voran. Bereits 2024 installierte China 357 GW neue Wind- und Solarkapazität – damit war das 2030-Ziel sechs Jahre früher erreicht. Aktuell stammen rund 74 % aller weltweit im Bau befindlichen Wind- und Solarprojekte aus China (AP NewsFinancial TimesGlobal Energy Monitor).
  • Dänemark: Das Land erzeugte 2023 bereits 60 % seines Stroms aus Windkraft und deckte 2024 ganze 88 % seiner Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Damit ist es europaweit führend (Our World in DataInvest in Denmark).

Impuls

Diese Beispiele zeigen: Das Leben ist nicht nur vielfältig – die Zukunftswege sind es ebenso. Wenn wir bereit sind, unsere eurozentrische Brille abzusetzen, können wir lernen, wie andere Gesellschaften mutig vorangehen.

Vielfalt erweitert nicht nur unseren Horizont – sie macht das Leben reicher, schöner und zukunftsfähiger.

👉 Lasst uns neugierig bleiben und die globalen Perspektiven aktiv einbeziehen. Denn die Energiewende ist kein deutsches oder europäisches Projekt – sie ist eine gemeinsame Aufgabe der Menschheit.

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